Newsletter 1 vom Juni 2025
In einer Welt, die zunehmend vernetzter und komplexer wird, gewinnt die Fähigkeit, empathisch zu sein, an Bedeutung. Empathie ermöglicht es uns, die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen nachzuvollziehen und auf sie einzugehen. Das wissen wir alle und haben dies auch schon 100 x gehört und gelesen. Aber was taugt dieser Ratschlag im Alltag, wo wir uns ja auch behaupten oder unsere Position finden müssen? Wie können wir denn empathisch bleiben und gleichzeitig gesunde Grenzen setzen? Karl Grunick, der Begründer der «KörperIntelligenz», bietet dazu einen interessanten Ansatz: Er betont, dass Abgrenzung vor allem durch Präsenz, insbesondere emotionale Präsenz, geschieht.
Emotionale Präsenz bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und die eigenen Emotionen sowie die der anderen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen. Dies ermöglicht es uns, empathisch zu handeln, ohne in die emotionalen Strömungen anderer Menschen einzutauchen. Es ist möglich, freundlich und verständnisvoll zu sein, während wir gleichzeitig unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen respektieren. Gemeint ist damit ein Zustand, den wir häufig als ein «Bei-Sich-Sein» zu beschreiben versuchen. Indem wir ganz bei uns sind, können wir auf natürliche und völlig ungestresste Art auch beim andern sein. Es ist dann überhaupt nicht anstrengend, sondern ergibt sich einfach.
Ein zentraler Punkt von Grunicks Ansatz liegt darin, dass Abgrenzung nicht mit Ablehnung oder Unfreundlichkeit gleichzusetzen ist. Vielmehr geht es darum, eine klare innere Haltung zu entwickeln, die es uns erlaubt, sowohl empathisch als auch selbstbewusst zu sein. Wenn wir uns emotional präsent zeigen, können wir auf die Anliegen anderer eingehen, ohne unsere eigene Identität und unser Wohlbefinden zu gefährden. Dadurch, dass wir selbst unseren Raum mit Präsenz füllen, setzen wir Grenzen und lassen es gar nicht zu, dass diese Grenzen von jemandem überschritten werden. Abgrenzung ist dann keine "Kampfhandlung", sondern hat seinen Ursprung einzig in einem guten und wachen Gefühl zu sich selbst. Genau damit können wir auch verhindern, dass wir uns die Probleme und Sorgen von anderen Menschen quasi aufladen und übernehmen. Das ist zwar oft gut gemeint, nützt aber letztlich niemandem, sondern schadet in der Regel beiden.
Diese Balance zwischen Empathie und Abgrenzung ist entscheidend, um gesunde zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen. Indem wir lernen, uns selbst treu zu bleiben und gleichzeitig Mitgefühl zu zeigen, schaffen wir Raum für echte Verbindung und Verständnis. Letztlich führt dies zu einem harmonischeren Miteinander, in dem sowohl unsere eigenen Bedürfnisse als auch die der anderen respektiert werden.
Was sind deine Erfahrungen zu diesem Thema? Wie würdest du den Zustand des "Ganz-bei-Sich-Seins" oder der emotionalen Präsenz beschreiben?