Newsletter 9 vom Februar 2026
Künstliche Intelligenz ist ein grossartiges Werkzeug. Punkt.
Sie spart Zeit, strukturiert Gedanken, glättet holprige Formulierungen und bringt Routinekommunikation zuverlässig über die Ziellinie. Wer heute noch jedes Standardschreiben selbst von Null formuliert, verzichtet freiwillig auf Effizienz.
Aber — und das ist ein grosses Aber — nicht jede Kommunikation ist Routine.
Sobald es heikel wird, zeigt sich, ob wir KI als Werkzeug einsetzen oder uns von ihr vertreten lassen. Und genau hier beginnt das Problem.
Nehmen wir Absagen in Rekrutierungsprozessen.
Es ist ohne Zweifel ein Fortschritt, dass Unternehmen nicht mehr einfach ein funktionales „Leider müssen wir Ihnen mitteilen…“ verschicken. Wertschätzung, Respekt, ein konstruktiver Gedanke — das ist richtig und wichtig. Menschen investieren Zeit, Hoffnung und Energie in Bewerbungen. Das verdient mehr als eine formale Abfertigung.
Doch dann kommt der Moment, in dem Empathie automatisiert wird.
Prompt eingeben:
„Formuliere freundlich.“
„Sei wertschätzend.“
„Füge etwas Positives hinzu.“
Und heraus kommt ein Text, der formal nichts falsch macht — aber emotional komplett danebenliegt.
Viele kennen dieses Gefühl beim Lesen:
Alles klingt richtig. Und trotzdem falsch.
Poliert. Generisch. Austauschbar.
Wie Empathie aus der Konserve.
Das Problem ist nicht die KI.
Das Problem ist die Illusion, man könne echte menschliche Haltung delegieren.
Empathie ist kein Stilparameter.
Respekt ist kein Textbaustein.
Und Wertschätzung entsteht nicht dadurch, dass ein Sprachmodell die Tonalität optimiert.
Früher war ein unpersönlicher Text schlicht unpersönlich.
Heute entsteht eine neue Qualität der Distanz:
Eine perfekt formulierte, synthetische Nähe, die beim Gegenüber eher Irritation als Verbindung auslöst. Man spürt — bewusst oder unbewusst — dass hier niemand wirklich gesprochen hat.
Und genau dann kippt Fortschritt ins Gegenteil.
Nicht, weil KI schlecht wäre.
Sondern weil wir sie an Stellen einsetzen, an denen Verantwortung gefragt wäre.
Gerade in sensiblen Situationen gilt:
Wenn ich nicht bereit bin, einen Gedanken selbst zu formulieren — vielleicht sogar mit Ecken und Kanten — dann sollte ich mich fragen, ob ich die Botschaft überhaupt verstanden habe.
Perfekte Formulierungen beeindrucken selten.
Echte Haltung hingegen schon.
Vielleicht ist die eigentliche Kompetenz der Zukunft deshalb nicht, KI möglichst oft zu nutzen.
Sondern zu wissen, wann man sie bewusst nicht nutzt.
Denn Authentizität ist nicht skalierbar.
Und genau darin liegt ihr Wert.