Newsletter 8 vom Februar 2026
Musik kann viel mehr sein als reine Unterhaltung. Sie dient beispielsweise auch als verlässlicher Wegweiser, um bei sich selbst anzukommen. In meinen Coachings nutze ich Musik gezielt, um Klarheit, Selbstwahrnehmung und Handlungsfähigkeit der Coachees zu stärken. Erfahre hier, wie achtsames Musikhören, Rituale und kreative Ausdrucksformen Dich auf Deinem individuellen Weg unterstützen können.
Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei zunächst einmal die Tatsache, dass Musik so etwas wie einen direkten Draht zu unserem inneren Erleben zu haben scheint. Ohne genau zu wissen, wie es im Detail funktioniert: Aber Emotionen, Erinnerungen und musikalische Mustererkennungen sind miteinander in einem engen Zusammenspiel verbunden. So beeinflussen Rhythmus, Melodie und Harmonie unsere Herzfrequenz, unsere Aufmerksamkeit und unser grundsätzliches Sicherheitsgefühl. In meinen Coachings versuche ich jeweils – sofern der Coachee dies wünscht und es die aktuelle Situation als sinnvoll erscheinen lässt – diese natürlichen Reaktionen in den Coachingprozess zu integrieren, um die allgemeine Achtsamkeit zu erhöhen und die Selbsterkenntnis zu fördern. Musik kann so allmählich zum treuen Begleiter werden auf dem Weg zu sich selbst. Vieles läuft dabei auf einer intuitiven Ebene ab und ist dem klaren Verstand nicht immer von Beginn weg zugänglich. Vor allem für Menschen, die sich – zum Beispiel auch aufgrund ihrer beruflichen Sozialisation – gewohnt sind, zunächst einmal alles mit dem Kopf wahrzunehmen und mit ihrem Verstand zu analysieren, mag dies anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig sein und da braucht es zuweilen auch etwas Mut, die vertrauten Pfade für einmal zu verlassen und sich in Neuland zu begeben. Aber danach wartet in der Regel eine schöne Belohnung. Und wie bei allen anderen Dingen ist es auch hier so: Übung macht den Meister.
In der Folge gebe ich ein paar Anregungen und Tipps, wie Du auch zu Hause versuchen kannst, Deinen eigenen Weg der Selbsterkenntnis mit Musik zu gehen:
Eine erste Übung: Setz Dich bequem hin und schliesse die Augen. Du kannst Dich auch hinlegen. Aber schaue, dass Deine Wirbelsäule gerade ist. Dann hör Dir ein vorher ausgewähltes Musikstück, das Dir gefällt, einmal aufmerksam an. Dabei lohnt es sich schon, auf eine gewisse Soundqualität zu achten. Also nicht direkt vom Handylautsprecher und auch keine Billigstlautsprecher. Gönn Dir ein bisschen Qualität. Notiere Dir danach die Instrumente, die Du gehört hast. Und wie war es emotional? Sind bei Dir bestimmte Gefühle aufgetaucht, die Du mit der Musik in Verbindung bringst? Hat sich möglicherweise Dein Atem verändert? Es sind kleine Dinge, die Du beobachten kannst. Versuche sie einfach wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Und versuch auch noch nicht, zu viel zu interpretieren und zu analysieren. Es geht zunächst einmal nur um die Wahrnehmung. Das ist der Schlüssel. Allein durch diese einfache Übung ist es möglich, dass sich Dein Nervensystem beruhigt und dass sich die Stresshormone senken. Schliesslich schafft diese Übung Raum für offene und ehrliche Selbstbeobachtung.
Im Coachingprozess wende ich diese Übung manchmal auch als Klang-Check-in an, welches mir als Türöffner dient für tiefergehende Gespräche.
Mit der Zeit wirst Du lernen, bestimmte musikalische Muster und Frequenzen mit inneren emotionalen Bildern in Verbindung zu bringen. Dabei wird es Dir immer besser gelingen, einzelne Musikstücke gezielt auszuwählen, um bestimmte Emotionen oder Stimmungen in Dir zu fördern. Du wirst mit der Zeit erkennen, dass jedes Gefühl irgendwo in Deinem Körper gespeichert ist und dass Du es mit passender Musik hervorholen kannst. Natürlich funktioniert das nicht immer auf Anhieb, und es gibt auch Gefühle, die wir im Moment nicht zulassen können, weil sie noch mit zu viel Schmerz verbunden sind. Aber mit der Musik verfügst Du über ein sehr wirkungsvolles Mittel, um schnell bei Deinen Emotionen anzukommen. Manchmal reicht es zudem auch, wenn man ein Gefühl einer bestimmten Musik zuordnen kann, ohne das Gefühl genau benennen zu können.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit besteht darin, bestimmte Musikstücke mit bestimmten Handlungssituationen und entsprechenden Erfordernissen zu verknüpfen. So gibt es für Dich nicht nur geeignete Musik zum Entspannen oder zum Schlafengehen. Es gibt auch Musik, die Dir helfen kann, wenn Du vor einer schwierigen Entscheidung stehst und weisst, dass Du Dich nun einfach entscheiden musst. Was fördert Deine innere Klarheit? Was beruhigt Dich? Was fördert Deine Geduld und was hilft Dir, um Dich besser in eine andere Person hineinversetzen zu können. Für fast jede Lebenssituation gibt es wahrscheinlich besser oder weniger gut geeignete Musik für Dich. Doch gezielt nutzen kannst Du das natürlich nur, wenn Du allmählich damit beginnst, Dir schrittweise eigene Playlists für spezifische Situationen zusammenzustellen. Es müssen dabei nicht Playlists für die Ewigkeit sein. Denn Dein emotionaler Zustand wird sich immer wieder etwas verändern.
Mein Vorschlag:
Beginne mal mit einer einstündigen Playlist für lange Autofahrten. Oder mit einer halbstündigen Playlist für den Feierabend. Also anstelle des Feierabendbiers machst Du es Dir zu Hause einfach bequem und hörst eine halbe Stunde Deine Lieblingsmusik. Dies kannst Du auch nutzen, um Deinen Tag nicht nur in Bezug auf Funktionalität, sondern auch bzgl. Achtsamkeit etwas zu strukturieren. Und glaub mir: Diese täglich 30 Minuten Musikhören tragen einiges mehr zu Deinem Wohlbefinden bei als 30 Minuten ins Handy zu starren. 😊
So wie es Musik gibt, die uns beruhigt und uns dazu einlädt, innerlich ruhig zu werden und einfach mit der Musik zu verschmelzen, so gibt es auch Musik, die uns fast zwingt, uns zu bewegen. Das kann freies Tanzen sein, oder auch einfach nur eine leichte Bewegung in den Schultern, vielleicht verbunden mit einer vertieften Atmung. Allfällige Energieblockaden können zwar oft durch innere Prozesse gelöst werde, aber es ist eben auch möglich, dass äussere Körperbewegungen einen entscheidenden Impuls geben können. Wenn wir uns erst einmal darauf einlassen, ist in kurzer Zeit sehr vieles möglich. Vielleicht geht es auch gar nicht um Blockaden, sondern nur um einen fokussierten Selbstausdruck durch Musik. Wenn wir einmal erfahren haben, wie befreiend es sein kann, die eigene Selbstkontrolle für einmal etwas abzulegen und in den Moment zu vertrauen, werden wir auf diese Erfahrung wohl nicht mehr gerne verzichten wollen. Denn sie macht und freier und zugleich flexibler. Die oft zitierte Eigenschaft «agil» erhält hier eine neue Dimension. Denn nur wenn wir im Fluss sind, sind wir anpassungsfähig in einem guten Sinn. Dann bedeuten für uns Hindernisse höchstens kleine Umwege, die wir für die Sache gerne in Kauf nehmen. Aber sie werden selten zu unüberbrückbaren Differenzen.
In meinen Coachings geht es oft auch darum, den eigenen Ressourcen immer etwas näher zu kommen. Dabei kann Musik häufig den entscheidenden Ausschlag geben. Die richtige Playlist im richtigen Moment kann da öfters Wunder wirken. Und dann verhält es sich meistens so, wie bei andern Dingen auch: Wenn man merkt, dass etwas gut funktioniert und einen helfen kann, den Alltag besser zu meistern, dann kommt man gerne wieder darauf zurück und entwickelt sich allmählich weiter, bis man es mit der Zeit zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hat.
Ich wünsch dir jedenfalls viel Spass auf deinem Weg! Und wenn du mal nicht mehr weiterkommst, dann schau bei mir vorbei. Vielleicht weiss ich ja einen Rat.